Chronik des TVA 1879 e.V. von 1879 bis 1979

Als man gegen Ende des vorigen Jahrhunderts den Wert des Sportes für den Menschen erkannte, suchten auch in Altenkessel einige junge Männer Schritt zu halten und gründeten in den Augusttagen des Jahres 1879 den Turnverein Altenkessel.

Als 1. Vorsitzender wurde der Schmiedemeister Nikolaus Lorig gewählt, der sich zusammen mit seinem Vorstand für die Beschaffung von Geräten einsetzte, um einen geregelten Turnbetrieb aufnehmen zu können.

Dieser Turnbetrieb aber konnte nur an Sonntagvormittagen ausgeübt werden, da die tägliche Arbeitszeit der Männer noch immer 12 Stunden betrug. Entgegen allen Widrigkeiten machte der Verein jedoch gute Fortschritte. Die Vorturner wurden damals in Burbach, Forbach und Metz ausgebildet, und großen Wert legte man auch auf die Ausbildung eines Trommler- und Pfeifenkorps. Schon nach kurzer Zeit hatte dieser Spielmannszug ein beachtliches Niveau erreicht und war bei vielen Veranstaltungen innerhalb und außerhalb des Vereins- und Ortsgeschehens sehr gefragt.

Auf Initiative des Turnwarts Wilhelm Thiel und des Vorturners Paul Bohley konnte der Verein im Jahre 1897 das 1. Gauturnfest durchführen. Verbunden damit war auch die Weihe einer Vereinsfahne, die leider im 2. Weltkrieg abhanden gekommen ist.

Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges beteiligten sich unsere Turner an Vereins-, Gauturn- und Bergfesten mit sehr gutem Erfolg. Der Verein selbst führte verschiedene Veranstaltungen in eigener Regie durch. An- und Abturnen, Rekruten-, Abschieds- und Reservistenbälle waren die Folge.

Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde die Vereinsarbeit, bedingt durch eine große Anzahl junger Turner, die ins Feld rücken mussten, zum ersten Mal für einen längeren Zeitraum unterbrochen. Ende 1917 begann man zwar wieder mit dem Turnbetrieb, musste diesen jedoch während der Besatzungszeit für einige Monate wieder einstellen.

Nachdem die Vereinsarbeit wieder zugelassen war, kamen die Turner zusammen und wählten unter dem 1. Vorsitzenden Peter Wagner und Turnwart Georg Lutz einen neuen Vorstand. Im Jahre 1921 lösten Josef Schett als 1. Vorsitzender und Willi Linsin als Turnwart die amtierende Führungsspitze ab. Unter schwierigsten Bedingungen nahm der Verein dann im darauffolgenden Jahr am Kreisturnfest in Aschaffenburg teil und stellte sich dann 1923 beim Deutschen Turnfest in München mit einer Musterriege am Barren vor, die mit dem Prädikat „Gut" bewertet wurde. Im Jahre 1924 wurde innerhalb des Vereins eine Handballabteilung gegründet, die sich sofort an den Meisterschaftsspielen innerhalb des Gaues beteiligte und auch Freundschaftsspiele, mit Mannschaften aus dem damaligen Deutschen Reich, wie Vollmershausen und Frankfurt-Sachsenhausen bestritt.

Bedingt durch eine Krankheit legte der 1. Vorsitzende Josef Schett im Jahre 1926 sein Amt nieder. Turnbruder Jakob Albert wurde 1. Vorsitzender und Ferdinand Schett Oberturnwart. Am 10.8.1929 feierte der Verein sein 50-jähriges Stiftungsfest. Aus diesem Anlass erhielten die Turner Mathias Wirtz, Jakob Gerhold und Peter Anschütz den Gauehrenbrief. Dieses Stiftungsfest wurde für den Verein zu einem großen Erfolg. In der darauf folgenden Zeit war in turnerischer und kultureller Sicht ein starker Aufschwung zu verzeichnen. So fand unter anderem im Jahre 1931 die Götzwanderung in Altenkessel statt und 1933 besuchte man das Deutsche Turnfest in Stuttgart.

Am 1. März 1935 erfolgte die Rückkehr des Saargebietes ins Deutsche Reich, was auch für den Turnverein einige Umstellungen erforderlich machte. Alle Schülerriegen wurden ins Jungvolk übernommen. Am 18.3. 1939 legte Jakob Albert sein Amt als 1. Vorsitzender aus Alters-und Gesundheitsgründen nieder und übertrug sein Amt auf den damaligen Turnwart Ferdinand Schett. Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges, konnte der Verein seine Tätigkeit noch bis zum 31.3.1943 aufrechterhalten, musste diese dann aber bedingt durch Kriegseinwirkungen und mangelnde Übungsmöglichkeiten aufgeben. Es wurde aber dem Vorstand auferlegt, bei einer Besserung der Verhältnisse für sofortige Wiederaufnahme des Turnbetriebes Sorge zu tragen.

Nach dem 2. Weltkrieg begannen die Handballer sofort wieder mit dem Aufbau einer Abteilung. Diese musste sich aber dem SC 07 anschließen, da zu dieser Zeit die Militärregierung alle Sport- und Turnvereine, außer Fußball, verboten hatte. Eine starke Frauenmannschaft der Handballabteilung spielte damals in der höchsten saarländischen Liga. Endlich, am 17. Oktober 1948, erfolgte unter Leitung des Ehrenvorsitzenden Jakob Albert die Wahl und Bildung eines Aktionsausschusses, der mit den notwendigen Arbeiten bis zur Wahl eines neuen Vorstandes beauftragt wurde.

Ende Oktober setzte der Turnbetrieb wieder ein, und besonders die Frauenabteilung unter der Leitung von Berta Kiefer nahm einen guten Aufschwung. 1949 beteiligte sich der Verein mit mehreren Wettkämpfern am 1. Landesturnfest des Saarländischen Turnerbundes in Völklingen. Durch Aufhebung von Verordnungen und Verfügungen der damaligen Militärregierung in Verbindung mit einem neuen Vereinsgesetz konnte der Turnverein Altenkessel am 8. Oktober 1950 neu gegründet werden. Die Handballabteilung trat wieder geschlossen dem Verein bei. In der Folgezeit wurden auf turnerischer Ebene beachtliche Erfolge erzielt. Das ganze Vereinsgeschehen litt jedoch sehr stark untern den eingeschränkten Übungsmöglichkeiten, so dass man sich entschloss, notgedrungen den Bau einer vereinseigenen Turnhalle in Angriff zu nehmen. Es folgte eine Umbildung des Vorstandes, damit der Turnbetrieb nicht unter dem Hallenneubau zu leiden hatte. Turnbruder Oskar Deutsch übernahm die Führung des Vereins.

Am 28. September 1952 legte der Turngau Saarbrücken seinen Gauturntag nach Altenkessel, um allen beteiligten Vereinen die Möglichkeit zu geben, an der feierlichen Grundsteinlegung zum Bau der Turnhalle teilzunehmen.

1953 fand wieder eine Götzwanderung nach Altenkessel statt und das 1. Deutsche Turnfest nach dem 2. Weltkrieg in Hamburg wurde besucht.

Am 10. Oktober 1953 konnte Dank der besonders großen Rührigkeit des 1. Vorsitzenden Oskar Deutsch, das Richtfest gefeiert werden. 1954 schied Oberturnwart Ferdinand Schett wegen Krankheit aus und sein Amt wurde Turnbruder Philipp Becker übertragen. Nach unendlichen Mühen konnten dann endlich im Jahre 1955 die vereinseigene Turnhalle eingeweiht werden. Bei den Feierlichkeiten wurden dem Ehrenvorsitzenden Jakob Albert und dem 1. Vorsitzenden Oskar Deutsch der Ehrenbrief des Deutschen Turnerbundes überreicht.

In den nachfolgenden Jahren setzte ein reger Sportbetrieb in der Turnhalle ein. Dem Verein wurde von Seiten des Turngaues Saarbrücken und des Saarländischen Turnerbundes die Durchführung von nationalen und internationalen Veranstaltungen übertragen.

1956 gründete der Verein unter der Stabführung von Ewald Rekrut wieder einen Spielmannszug, der sehr schnell zu einem beachtliche Klangkörper heranwuchs.

1957 wurde die Prellballabteilung gegründet, die sich im Laufe der Zeit zu einem starken Leistungsträger innerhalb des Vereins entwickelte. Im Jahre 1956 schied die langjährige Frauenwartin, Berta Kiefer, wegen Krankheit aus und wurde Ehrenturnwartin. Am Deutschen Turnfest in München nahmen 31 Wettkämpfer des Vereins teil, die alle einen Sieg erringen konnten. Außerdem nahm man am Vereinsturnen teil. lm folgenden Jahr wurde Ewald Rekrut zum Oberturnwart gewählt und der Verein feierte sein 80jähriges Stiftungsfest.

Der 1. Vorsitzende Oskar Deutsch stellte im Jahre 1963 sein Amt aus Altersgründen zur Verfügung und wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Den Vereins-Vorsitz übernahm Ewald Rekrut und Oberturnwart wurde Rudi Albert. Eine neue Vereinsfahne wurde für die im Krieg verlorengegangene eingeweiht. Am Deutschen Turnfest in Essen beteiligten sich wiederum viele Turnerinnen und Turner sowie eine Prellballmannschaft des Vereins mit Erfolg.

Aus Anlass des 80jährigen Bestehens am 19. und 20. September 1964 wurde ein neues Vereinsabzeichen eingeführt.

1966 wurde Jürgen Albert zum Oberturnwart gewählt und eine Leichtathletikabteilung gegründet. Dieser neuen Abteilung gelangen in den folgenden Jahren große Erfolge. 1967 wurde sie die beste Jugend-Leichtathletik-Fünfkampfmannschaft der Bundesrepublik Deutschland. Im gleichen Jahr übernahm Richard Engel das Amt des Oberturnwartes.

1968 wurden acht Saarlandmeisterschaften, sieben Saarlandrekorde und neun Jahresbestleistungen von unseren Leichtathleten erkämpft. Günther Hoffmann qualifizierte sich als sechstbester Jugendlicher der Bundesrepublik Deutschland für das olympische Jugendlager in Mexiko. Die Tischtennisabteilung wurde in den Verein aufgenommen und eine Badmintonabteilung gegründet. Eine Abordnung des Vereins nahm am Deutschen Turnfest in Berlin teil.

1969 wurde aus Anlass des 90jährigen Bestehens eine Sportwerbewoche, verbunden mit einem internationalen Volksmarsch, durchgeführt. Die Leichtathletikjugend setzte ihre Erfolgsserie fort. So wurde unter anderem Günther Hoffmann Deutscher Vizemeister über 300 m Hürden der A-Jugend und die 4 x 100 m Staffel in der Besetzung Günther Hoffmann, Jürgen Breuer, Jeannot Braeunig und Manfred Selzer ebenfalls Vizemeister. Zehn Saarlandmeisterschaften wurden errungen und im Fünf- und Zehnkampf der Mannschaft neue Saarlandrekorde aufgestellt.

Durch die immer größer werdenden Belastungen musste der Verein im Jahre 1972 die vereinseigene Halle an die damalige Gemeine Altenkessel abtreten. Rudi Albert wurde Oberturnwart. In diesem Jahr erfolgte die Gründung der Volleyballabteilung.

1973 besuchte man das Deutsche Turnfest in Stuttgart. Es folgte das 95jährige Stiftungsfest 1974. Bei dieser Gelegenheit wurde der 1. Vorsitzende Ewald Rekrut mit dem Ehrenbrief des Deutschen Turnerbundes ausgezeichnet.

1976 schied die langjährige Frauenwartin Karoline Rebhuhn aus und wurde zur Ehrenfrauenwartin ernannt. Im folgenden Jahr gelang der Damenmannschaft der Prellballabteilung der Aufstieg in die Bundesliga.

Eine Abordnung des Vereins nahm 1978 am Deutschen Turnfest in Hannover teil.

1979 besteht der Turnverein Altenkessel aus 6 Abteilungen mit ca. 300 aktiven Sportlern und vielen inaktiven Mitgliedern. Ab diesem Zeitpunkt stellen sich die einzelnen Sparten selbst vor.

 

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